
Algerien stellt das russische Afrikakorps vor ungewöhnlicher Herausforderung

Von Jewgeni Krutikow
Ende August bat Niger Algerien nach einem Putschversuch im Land um Hilfe im Kampf gegen Separatisten und Dschihadisten. Zur selben Zeit übergab Algerien Niger vier Kampfflugzeuge vom Typ Su-30 und ein Tankflugzeug, wobei es seinen Nachbarn nochfrüher bereits Kampfhubschrauber und andere militärische Ausrüstung geliefert hatte. Beim Besuch des nigrischen Verteidigungsministers Salifou Mody wurde zudem ein Memorandum über militärische Zusammenarbeit unterzeichnet.
Nun hat der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune beschlossen, Einheiten der Nationalen Volksarmee Algeriens nach Niger zu entsenden. Es handelt sich um ein kleines Kontingent, das die Sicherheit der Ölprojekte des algerischen Staatskonzerns Sonatrach gewährleisten soll, der im Nachbarland über seine Tochtergesellschaft SIPEX tätig ist.
Dabei waren die Beziehungen zwischen den beiden Ländern noch im vergangenen Jahr auf einem Tiefpunkt. Der Grund: Tuareg-Separatisten und verschiedene islamistische Gruppierungen operieren im Grenzgebiet und ziehen sich häufig auf algerisches Territorium zurück, wo die Luftwaffe Nigers und das Afrikakorps der russischen Streitkräfte sie nicht erreichen können. Diese Banden sind auch Algerien selbst ein Dorn im Auge, doch sie führen keine offenen Kampfhandlungen gegen die algerische Regierung. Außerdem ist das eine schwer zugängliche Region jenseits der Wüste, und für Algerien ist es schwieriger als für Niger, Truppen dorthin zu entsenden. Kontrolle über dieses Gebiet ist nur über ein Netz kleiner Militärstützpunkte und Forts möglich, wie es die Franzosen schon Anfang des 20. Jahrhunderts zu errichten versucht hatten.

An der Grenze der beiden Länder kam es regelmäßig zu unangenehmen Zwischenfällen, die alles verkomplizierten. Im April 2025 etwa schoss die algerische Flugabwehr eine malische Drohne ab, die auf algerischem Gebiet Tuareg verfolgte. Daraufhin zogen die drei Sahelstaaten Mali, Niger und Burkina Faso aus Solidarität miteinander gleichzeitig ihre Botschafter aus Algerien ab. Es lief auf eine Verschärfung des alten Wüstenkonflikts hinaus, doch der Putschversuch in Niger entschärfte paradoxerweise die Spannungen zwischen den Sahelstaaten auf der einen und Algerien auf der anderen Seite.
Nigers Staatschef Abdourahamane Tiani besuchte Algerien und unterzeichnete dort mehrere weitreichende Sicherheits- und Wirtschaftsabkommen. Als wichtigstes Projekt gilt der Bau der 4.128 Kilometer langen Transsahara-Gaspipeline, die Europa mit bis zu 30 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr versorgen könnte. Sie soll in der Stadt Warri im Süden Nigerias anfangen, Niger durchqueren und den Gas-Hub Hassi Messaoud in Algerien erreichen, von wo das Gas zu den Exportterminals am Mittelmeer und in die Pipelines für die europäischen Märkte fließen soll. Nebenbei bemerkt wurde die Sicherheit des Baus in der Anfangsphase unter anderem durch Einsätze des Afrikakorps der russischen Streitkräfte gewährleistet.
Die Sahelstaaten haben traditionell ein schwieriges Verhältnis zu den arabischen Staaten Nordafrikas. Mali und Niger werfen zum Beispiel Marokko – nicht ohne Grund – die Unterstützung von Terroristen vor. Einheiten der malischen Armee sind an der Grenze zu Mauretanien wiederholt mit marokkanischen Truppen zusammengestoßen, und an der algerischen Grenze mit Kämpfern, die durch die Wüste von marokkanischen Stützpunkten gekommen waren. Am libyschen Grenzabschnitt herrscht gar völliges Chaos. Deshalb hat der Einmarsch algerischer Truppen auf nigrisches Gebiet noch einen weiteren wichtigen Aspekt.
Nach offiziell nicht bestätigten Informationen könnten die algerischen Truppen Fort Madama besetzen – eine strategische Position am Tibesti-Gebirge im Norden Nigers, etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Libyen entfernt. Es wurde 1931 von der französischen Kolonialverwaltung als Kontroll- und Beobachtungsposten an der Grenze zum damals noch italienischen Libyen errichtet. Lange Zeit hatte es verlassen dagestanden, doch in den 2010er-Jahren bauten die Franzosen es im Rahmen der letztlich gescheiterten "Operation Barkhane" zu einem vorgeschobenen Militärstützpunkt um. Diese Operation sollte die Sahelstaaten vor ebenjenen Dschihadisten und Separatisten schützen, doch 2019 zogen die Franzosen aus Madama und schließlich aus dem gesamten Sahel ab.
Heute ist Madama eine der wichtigsten Positionen in der Wüstenzone, deren Kontrolle für jede Konfliktpartei vorteilhaft ist. Bedingt durch seine Lage, eignet sich das Fort jedoch eher als Stützpunkt für die Kontrolle über die an Libyen grenzenden Gebiete, da es abseits der Hauptkampfzone in der Wüste liegt. Aus diesem Grund zeigten weder die Regierungsarmee Nigers noch das russische Afrikakorps lange Zeit irgendein Interesse an Madama.
Nun sollen dort angeblich die Algerier einziehen, obwohl diese Position nichts mit dem Schutz der Gaspipeline und anderer Wirtschaftsobjekte zu tun hat, an denen Algerien beteiligt ist. Wozu also?
Auf libyschem Gebiet nahe der Grenze liegen halblegale Goldminen, die (wenn auch nicht vollständig) von den Verbänden von Marschall Chalifa Haftar kontrolliert werden. Neben den Gas- und Öleinnahmen sind sie eine der Finanzierungsquellen seiner Armee. Doch Minen mitten in der Sahara zu kontrollieren, ist schwierig und an sich schon kostspielig.
Haftars Armee ist es bis heute nicht gelungen, dort einen vollständigen Sicherheitsperimeter zu errichten. Und hier kamen Bürger eines weiteren Nachbarlandes ins Spiel – des Tschad. Gut bewaffnete Goldschürfer und Schmuggler unternehmen regelmäßig Überfälle, plündern die Goldminen von Marschall Haftar und tauchen anschließend auf tschadischem Gebiet unter. Deshalb hat Marschall Haftar wiederholt Interesse an Fort Madama gezeigt, dessen Besetzung es den Libyern erlauben würde, die vollständige Kontrolle über die Minen zu erlangen und die Überfälle illegaler Schürfer zu unterbinden. Mit Niger konnte er sich jedoch nicht einigen, woraufhin sich die Beziehungen verschlechterten.
Es ging sogar so weit, dass einer der Söhne des Marschalls, Saddam Haftar, den Anführer der sogenannten "Patriotischen Befreiungsfront", den Tuareg Mahmoud Sallah, aus einem libyschen Gefängnis in Bengasi freiließ. Diese Gruppierung terrorisierte seit 2009 die Wüstenzone im Norden Nigers und hatte sich auf Sabotageakte an Pipelines, Urantransportrouten und der Infrastruktur chinesischer Konzerne spezialisiert. Unterschlupf fanden diese "Patrioten" in der Regel auf libyschem Gebiet.

In Niger wertete man dieses Vorgehen von Haftar jr. als unfreundlichen Akt, zumal er kurz zuvor nach Paris geflogen war, um sich mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu treffen. Das alles erinnert an eine geplante Operation unter Beteiligung französischer Geheimdienste, zumal keine Informationen über ein Lösegeld für Sallah bekannt wurden.
Umso erstaunlicher ist das, weil sich die Kräfte von Haftars Armee im Grenzgebiet zuvor anständig verhalten und in Fragen des Grenzschutzes sogar mit den Nigrern kooperiert hatten, da das in ihren eigenen objektiven Interessen gelegen hatte. Manche hielten die Freilassung des Tuareg-Terroristen für eine persönliche Initiative des ehrgeizigen Erben, den die Franzosen ohne sein Wissen benutzt hätten. Für sie ist es wichtig, im Norden Nigers, der Paris ein Dorn im Auge ist, einen weiteren Herd der Destabilisierung zu schaffen.
Und nun lassen sich in der Region algerische Truppen nieder, die nicht nur die Möglichkeit erhalten, das strategische Grenzgebiet zu kontrollieren, sondern auch Druck auf Haftars Truppen auszuüben. Dabei haben Algerien und Libyen ihre eigenen Territorialstreitigkeiten um mehrere grenznahe Gasfelder.
Algerien erhält jetzt einen strategischen Brückenkopf in einer Region, in der sich die Interessen Nigers, Libyens und des Tschad überschneiden. All das wird die Reibungen nur verstärken und kaum zu einer Verbesserung der Lage beitragen.
Was als "Hilfe des algerischen Brudervolks für das nigrische Brudervolk" begann, könnte sich zur Besetzung eines Teils der nördlichen Gebiete Nigers verwandeln und den langwierigen Konflikt im Grenzgebiet zu einem ausgewachsenen Krieg zwischen mehreren Staaten unter Beteiligung zahlreicher halbkrimineller Gruppierungen hochschaukeln.
Und ausbaden muss das alles so oder so das Afrikakorps der russischen Streitkräfte. Schlicht deshalb, weil sonst niemand dazu in der Lage ist.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 29. Oktober 2026 zuerst auf der Website der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Jewgeni Krutikow ist ein Militäranalyst bei der Zeitung "Wsgljad".
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