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Weitere "Supermacht" im KI-Bereich: Russland und China schaffen Alternative zum Silicon Valley

Von Gesundheitswesen bis Bildung: Ein neues Modell technologischer Entwicklung soll die Interessen der gewöhnlichen Nutzer in den Mittelpunkt stellen – nicht die der Monopole.
Weitere "Supermacht" im KI-Bereich: Russland und China schaffen Alternative zum Silicon Valley© mit KI erstellt

Von Timur Tarchanow

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst nicht mehr nur ein technologisches Wettrennen. Es geht zunehmend darum, wie die Welt eine der revolutionärsten Innovationen der Gegenwart regulieren wird, wer davon profitiert und ob ihre Vorteile weiterhin in den Händen einiger weniger Unternehmen konzentriert bleiben oder einer breiten Öffentlichkeit zugutekommen.

Diese Woche unterzeichneten Russland und China in Shanghai ein Abkommen zur Gründung einer Weltorganisation für die Zusammenarbeit im Bereich der künstlichen Intelligenz, was einen wichtigen Schritt bei der Bewältigung dieser Herausforderungen darstellt. Russland und China gehörten zu den wichtigsten Gründungsmitgliedern und schlossen sich mit fast 30 Ländern zusammen, um ein neues zwischenstaatliches Gremium zu schaffen, das sich der internationalen Zusammenarbeit und Regulierung im Bereich der KI widmen soll. Diese Organisation basiert ausdrücklich auf den Prinzipien der internationalen Zusammenarbeit, der menschenzentrierten Entwicklung, des gerechten Zugangs und der Gewährleistung, dass künstliche Intelligenz der gesamten Menschheit zugutekommt.

Für Russland und China spiegelt die Initiative die gemeinsame Auffassung wider, dass die Zukunft der KI nicht von technologischen Monopolen oder geopolitischer Exklusivität bestimmt werden sollte. Im Gegenteil: Beide Länder sind der Ansicht, dass KI zugänglich, praxisorientiert und auf die Verbesserung des Alltagslebens der Menschen ausgerichtet bleiben muss.

Während China für sein außergewöhnlich hohes Tempo bei Forschung und Entwicklung im Bereich der KI weltweite Anerkennung erlangt hat, konzentriert sich Russland darauf, künstliche Intelligenz in praktische Lösungen umzusetzen. Diese beiden Ansätze ergänzen sich perfekt. China steuert ein Ökosystem bei, das erstklassige große Sprachmodelle, Open-Source-Technologien und innovative Verbraucherdienste hervorbringt. Russland legt den Schwerpunkt auf die praktische Anwendung – die Umwandlung von KI in Instrumente, die dazu beitragen, die Qualität öffentlicher Dienstleistungen, der Gesundheitsversorgung, der Finanzdienstleistungen, der Bildung und der Stadtverwaltung zu verbessern.

Chinas rasch voranschreitende Entwicklung lässt sich nicht übersehen. Chinesische Unternehmen setzen immer leistungsfähigere KI-Modelle ein und senken dabei erheblich die Einführungshürden durch wettbewerbsfähige Preise und die Veröffentlichung von Open-Source-Software. Anstatt künstliche Intelligenz als eine Technologie zu betrachten, die nur einem kleinen Kreis von Unternehmen zugänglich ist, haben viele chinesische Entwickler einen breiten Zugang zu ihren Entwicklungen gewährt und ermöglichen es Forschern, Unternehmen und Regierungen auf der ganzen Welt, ihre Arbeit als Grundlage nutzen zu können. Diese Philosophie steht in natürlicher Übereinstimmung mit den wiederholten Aufrufen Pekings zur internationalen Zusammenarbeit anstelle einer technologischen Fragmentierung.

Russlands Beitrag ist anders, verfolgt jedoch ebenfalls das Ziel, KI für gewöhnliche Bürger nutzbar zu machen. Anstatt sich ausschließlich auf bahnbrechende Modelle zu konzentrieren, haben russische Entwickler massiv in Plattformlösungen investiert, die praktische Probleme lösen. Millionen von Nutzern interagieren täglich mit Alice, dem KI-Assistenten von Yandex und einem der meistgenutzten KI-Verbraucherdienste Russlands, während GigaChat dialogbasierte Such- und Informationsdienste bietet, die auf russischsprachige Nutzer zugeschnitten sind. Diese Technologien sind fest und breit im Alltag der Menschen in Russland verankert.

Besonders deutlich zeigt sich das im Gesundheitsbereich. Das Moskauer Gesundheitssystem nutzt bereits mehr als 60 KI-gestützte Diagnosedienste. Sie unterstützen Ärzte in Dutzenden klinischen Fachrichtungen dabei, Anzeichen von Erkrankungen in medizinischen Bildaufnahmen zu erkennen. Solche Systeme ersetzen Ärzte nicht, sondern erweitern ihre Möglichkeiten: Sie helfen medizinischen Fachkräften, schneller, präziser und effizienter zu arbeiten. Ähnliche KI-Anwendungen kommen inzwischen auch bei Finanzdienstleistungen, in der Bildung, im Verkehr und der digitalen Verwaltung zunehmend zum Einsatz. Das zeigt: Den größten Nutzen entfaltet künstliche Intelligenz dort, wo sie in Dienste integriert wird, die Menschen im Alltag tatsächlich nutzen.

Dieser Fokus auf praktische Anwendung erklärt auch, warum russische KI-Unternehmen erfolgreich auf internationale Märkte vorgedrungen sind. Viele Länder interessieren sich weniger für abstrakte Demonstrationen technologischer Leistungsfähigkeit als für einsatzbereite Lösungen, die Gesundheitssysteme, digitale öffentliche Dienste oder die Finanzinfrastruktur verbessern. Russische Entwickler bieten zunehmend genau diese Art von Produkten an und passen ihre Technologien dabei oft an lokale Sprachen, Rechtsvorschriften und nationale Prioritäten an, anstatt auf einem Einheitsmodell zu bestehen.

Die neue Weltorganisation für Zusammenarbeit im Bereich der künstlichen Intelligenz schafft einen institutionellen Rahmen, in dem diese Erfahrungen effektiver ausgetauscht werden können. Russlands Ansatz basiert auf Zusammenarbeit statt auf exklusiver Kontrolle. Ziel ist es nicht, die Entwicklung von KI zu monopolisieren, sondern praktische Expertise einzubringen und zugleich von Partnern zu lernen. China vertritt ebenfalls die Vorstellung, dass künstliche Intelligenz nicht zu einem exklusiven Spielfeld werden darf, das nur wenigen Ländern oder Konzernen vorbehalten ist.

Die neue Organisation ist mehr als nur ein weiteres diplomatisches Forum. Sie bietet die Möglichkeit, gemeinsame ethische Standards zu etablieren, Transparenz zu fördern, den Wissensaustausch zu erleichtern und die technologische Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zu verringern. Eine solche Zusammenarbeit bremst die Innovation nicht. Im Gegenteil: Vorhersehbare Regeln und gemeinsame Grundsätze können eine verantwortungsvolle Entwicklung beschleunigen, indem sie Vertrauen zwischen Regierungen, Unternehmen und Bürgern gleichermaßen schaffen.

Die Dynamik reicht bereits über Shanghai hinaus. Russland bereitet sich darauf vor, in den kommenden Monaten und Jahren mehrere große internationale KI-Veranstaltungen auszurichten, darunter noch in diesem Jahr die Konferenz "Journey into the World of Artificial Intelligence", das Future Technologies Forum sowie ein hochrangiges internationales KI-Treffen im Jahr 2027. Diese Zusammenkünfte werden chinesischen, russischen und internationalen Forschern, politischen Entscheidungsträgern und Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten bieten, Erfahrungen auszutauschen und die Zusammenarbeit zu vertiefen.

Künstliche Intelligenz wird die Wirtschaft, die Gesellschaft und die internationalen Beziehungen über Jahrzehnte hinweg prägen. Die Frage ist nicht mehr, ob KI die Welt verändern wird, sondern ob dieser Wandel inklusiv oder exklusiv gestaltet wird. Russland und China setzen darauf, dass Offenheit, internationale Partnerschaft und praktische Anwendungen im Dienste gewöhnlicher Menschen die stärkste Grundlage für das nächste Kapitel der KI-Entwicklung bilden. Sollte es der neuen Organisation gelingen, diese Grundsätze in die Realität umzusetzen, könnte sie zu einer der prägenden Institutionen des KI-Zeitalters werden.

Übersetzt aus dem Englischen.

Timur Tarchanow ist Journalist und Medienmanager.

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