Neun der größten US-Banken haben Kunden wegen ihrer politischen Ansichten und geschäftlichen Aktivitäten diskriminiert. Betroffen waren unter anderem konservative Organisationen und Einzelpersonen, teilte die Bankenaufsichtsbehörde des US-Finanzministeriums mit.
Das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) überprüfte die Richtlinien von JPMorgan Chase, Bank of America, Citibank, Wells Fargo, US Bank, Capital One, PNC Bank, TD Bank und BMO Bank. Die Untersuchung erfolgte im Rahmen einer von US-Präsident Donald Trump erlassenen Verordnung, die einen "fairen Zugang" zu Bankdienstleistungen für alle Amerikaner gewährleisten soll. Trump wirft den Demokraten seit langem vor, staatliche Institutionen gegen seine Unterstützer und Spender einzusetzen.
Die Untersuchung habe ergeben, dass alle neun Banken zwischen 2020 und September 2025 Kunden und rechtmäßig tätigen Unternehmen Dienstleistungen verweigert, Konten gekündigt und sie diskriminiert hätten, erklärte Währungsrechnungsprüfer Jonathan Gould am Mittwoch.
Nach Angaben der OCC schlossen die Banken Konten und verweigerten Finanzdienstleistungen, wenn Risikomanager die Aktivitäten der Kunden als "umstritten" einstuften. Dazu gehörten etwa Tätigkeiten im Zusammenhang mit Abtreibung und LGBTQ-Rechten. In einigen Fällen hätten Bankmitarbeiter offen erklärt, dass die Aktivitäten bestimmter Gruppen im Widerspruch zu den Werten ihrer Institute stünden. Andere Entscheidungen seien mit einem vermeintlichen "sozialen Risiko" und einer "polarisierenden" öffentlichen Meinung zu Themen wie dem Waffenrecht begründet worden. Für die Untersuchung wertete die Aufsichtsbehörde knapp 100.000 Beschwerden und rund 420.000 Seiten an Dokumenten aus.
Als Beispiel nannte die Behörde einen Fall vom Februar 2021: Damals kündigte ein Zahlungsdienstleister, der einer nicht namentlich genannten Bank gehörte, das Konto eines Händlers, der Produkte mit Bezug zu Donald Trump und dessen Marke "Make America Great Again" (MAGA) verkaufte.
Dem Bericht zufolge verfügten die Banken zudem über öffentliche und interne Richtlinien, die Dienstleistungen für Unternehmen in bestimmten Branchen einschränkten. Dazu zählten die Erschließung von Öl- und Gasvorkommen in der Arktis, der Bau oder Ausbau von Kohlekraftwerken, der Verkauf bestimmter Schusswaffen und Tabakprodukte sowie der Bau oder Betrieb von Abschiebe- und Haftzentren.
Der Bericht nennt neben konservativen Organisationen auch Fälle mit Bezug zu demokratisch orientierten Gruppen. So lehnte Capital One 2023 eine Organisation ab, die sich für Abtreibungsrechte einsetzte. Ein Risikomanager verwies darauf, dass rund 95 Prozent ihrer politischen Spenden an die Demokraten gingen.
Der republikanische Vorsitzende des Bankenausschusses im US-Senat, Tim Scott, bezeichnete die Verweigerung von Bankdienstleistungen aus religiösen oder politischen Gründen als "zutiefst unamerikanisch" und kündigte Maßnahmen seines Ausschusses an.
Auch Trump wirft Großbanken politisch motivierte Kontoschließungen vor. Er verklagte 2025 Capital One und 2026 JPMorgan Chase, weil diese Konten von ihm und seinen Unternehmen nach dem Sturm auf das Kapitol im Januar 2021 wegen seiner politischen Ansichten geschlossen hätten. JPMorgan weist den Vorwurf der Diskriminierung zurück und erklärt, Kontoschließungen beruhten auf rechtlichen und regulatorischen Risiken.
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