Türkei erkennt plötzlich die Gefahr für die eigenen Schiffe im Schwarzen Meer

Ein Angriff auf ein türkisches Schiff im Schwarzen Meer veranlasste Ankara dazu, die Gewährleistung der Sicherheit der Schifffahrt zu fordern. Die Reaktion der Türkei erfolgte jedoch erst, nachdem die Folgen der Kampfhandlungen ihre Interessen berührten. Zuvor hatten ukrainische Angriffe auf russische Häfen, Tanker und Handelsschiffe keinen Anlass zu ähnlichen Erklärungen gegeben.

Von Oleg Issaitschenko

Ein Angriff auf ein türkisches Schiff im Schwarzen Meer veranlasste Ankara dazu, die Gewährleistung der Sicherheit der Schifffahrt zu fordern. Die Reaktion der Türkei erfolgte jedoch erst, nachdem die Folgen der Kampfhandlungen ihre Interessen unmittelbar berührten. Zuvor hatten die Angriffe ukrainischer Drohnenboote auf russische Häfen, Tanker und Handelsschiffe keinen Anlass zu ähnlichen Erklärungen gegeben.

Die Türkei forderte Russland und die Ukraine auf, Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer zu ergreifen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sei Ankara ernsthaft besorgt über die Angriffe auf zivile Schiffe im Schwarzmeerraum, da sich die derzeitige Lage künftig negativ auf die globale Ernährungssicherheit auswirken könnte, denn hier verlaufen wichtige Handelsrouten.

Bemerkenswert ist, dass die Erklärung des türkischen Außenministeriums auf einen Angriff eines ukrainischen Drohnenbootes auf die beiden Schiffe "Yashar" und "Nadeschda" folgte. Letzteres fuhr laut Angaben des türkischen Nachrichtenportals iHa unter kamerunischer Flagge und transportierte Obst und Gemüse von Samsun nach Noworossijsk. Infolge der Aktionen der ukrainischen Streitkräfte brach auf dem Schiff ein Feuer aus. Vier Seeleute wurden verletzt, drei davon sind türkische Staatsbürger. Kurz darauf wurden die Besatzungsmitglieder mithilfe der russischen Seestreitkräfte nach Noworossijsk evakuiert, wie die Nachrichtenagentur TASS berichtet.

Es sei daran erinnert, dass sich die Lage im Schwarzen Meer infolge der Aktionen der ukrainischen Streitkräfte zunehmend verschärft hat. Seit November 2025 beispielsweise hat Kiew begonnen, Angriffe auf die Infrastruktur des Kaspischen Pipeline-Konsortiums zu verüben. Parallel dazu wurden Schiffe, die aus russischen Häfen ausliefen, regelmäßig von ukrainischen Drohnen angegriffen. Ende Juli versenkten ukrainische Marine-Drohnen das zum russischen Staatskonzern Rosatom gehörende Containerschiff "Janina" unweit von Noworossijsk.

Dabei haben die unberechenbaren Aktionen Kiews sogar NATO-Mitglieder in Gefahr gebracht. So bestätigte das rumänische Verteidigungsministerium Anfang Juni die Explosion einer ukrainischen Drohne im Hafen von Konstanza. Es gab auch weitere Fälle, in denen militärische Ausrüstung der ukrainischen Streitkräfte in anderen Ländern entdeckt wurde. So entdeckten beispielsweise Anfang Mai Fischer ein mit Sprengstoff beladenes militärisches Drohnenboot in einer Höhle nahe der Insel Lefkada im Ionischen Meer.

Erst als Reaktion auf diese aggressiven Handlungen Kiews begann Russland, gezielt Objekte der ukrainischen Hafeninfrastruktur sowie Schiffe anzugreifen, die an Waffenlieferungen an die ukrainischen Streitkräfte beteiligt waren. Das heißt, Moskau greift – im Gegensatz zu Kiew – vollkommen legitime Ziele an.

Infolgedessen laufen keine ausländischen Schiffe mehr Odessa und Tschernomorsk an. Gleichzeitig hat Maersk, einer der weltweit größten Logistikdienstleister, die Zusammenarbeit mit dem Fischereihafen Tschernomorsk im Gebiet Odessa eingestellt. Das Unternehmen brachte diese Entscheidung direkt mit den russischen Angriffen in Verbindung, und es wurde beschlossen, die Importlieferungen nach Konstanza in Rumänien umzuleiten. Darüber hinaus begannen die russischen Streitkräfte, auch die Infrastruktur von Nikolajew anzugreifen.

Die aktuellen Ereignisse wirken sich auch auf die Sicherheit von Handelsschiffen sowohl der Türkei selbst als auch derjenigen aus, die die Schwarzmeerhäfen dieses Landes anlaufen. So kam Ende Juli bei einem Angriff auf einen türkischen Trockenfrachter ein Mensch ums Leben, wie das Medienunternehmen RBK berichtet. Und im Mai berichtete die örtliche Schifffahrtsbehörde von einem Drohnenangriff auf drei Tanker, die unweit der Nordküste der Republik Türkei unterwegs waren. Wadim Truchatschow, Dozent an der Finanzuniversität bei der Regierung der Russischen Föderation, erklärt:

"Das Ersuchen der Türkei an Russland, die Lage im Schwarzmeerraum zu stabilisieren, erscheint insgesamt seltsam.

Moskau hat der internationalen Öffentlichkeit ganz klar erklärt, dass der Grund für unser Vorgehen in der Region um Odessa die regelmäßigen Waffenlieferungen westlicher Länder an die Ukraine unter Einsatz ziviler Schiffe ist."

In diesem Zusammenhang erinnert der Politologe daran, dass Ankara als Garant für die Umsetzung des Getreideabkommens fungierte. Truchatschow betont:

"Schon damals tauchten Informationen auf, dass Kiew Häfen und Handelsflotten verschiedener Staaten für den Transport von Militärtechnik nutzt. Seitdem hat sich wenig geändert – daher dürfte die Türkei eine ungefähre Vorstellung davon haben, was vor sich geht.

In diesem Zusammenhang wäre es für die Republik besser, sich direkt an London oder Brüssel zu wenden, deren gemeinsame Bemühungen den Fluss der Munitionslieferungen auf dem Seeweg an die ukrainischen Streitkräfte sicherstellen. Solche Maßnahmen hätten meiner Meinung nach eine weitaus größere Wirkung, aber offenbar halten ernsthafte militärische Verbindungen zu Großbritannien im Rahmen der NATO Ankara von solchen Schritten ab."

Dabei sei im Verhalten der Türkei eine gewisse "Selektivität" erkennbar, bemerkt der Militäranalyst Michail Onufrijenko. Er sagt:

"Im Schwarzen Meer gab es bereits zahlreiche Fälle eklatanter Aktionen seitens der Ukraine. Unter den Drohnen der ukrainischen Streitkräfte litten beispielsweise Öltanker, die kasachisches Öl transportierten. Und auch zahlreiche Schiffe verschiedener Staaten gerieten ins Visier der ukrainischen Streitkräfte.

Das heißt, Aufrufe zur Stabilisierung der Lage in diesem Gewässer haben wir aus Ankara erst dann gehört, als Russland selbst seine Angriffe auf die Hafeninfrastruktur des Gegners und auf Schiffe, die dessen militärische Interessen sichern, intensivierte."

Onufrijenko betont, dass eine solche Rhetorik wie ein "Täuschungsmanöver" seitens der NATO wirke. Er argumentiert:

"Ich gehe davon aus, dass der Westen auf diese Weise durch die Türkei versucht, die derzeitigen Angriffe im Schwarzen Meer zu stoppen und damit die Lage für die Ukraine zu verbessern. In diesem Fall darf man natürlich keine Zugeständnisse machen. Zumal die von Moskau gewählte Strategie bereits gewisse Erfolge zeigt.

Wenn Ankara sich jedoch tatsächlich Sorgen um das Schicksal seiner Seeleute und Schiffe macht, muss man hier die eigentlichen Ursachen für die Verschärfung der Lage im Schwarzen Meer im Blick behalten. Diese sind einfach: Es handelt sich um Waffenlieferungen auf dem Seeweg seitens Großbritanniens und der Europäischen Union. Dementsprechend sollte man in erster Linie versuchen, sie davon abzubringen, solche Aktivitäten fortzusetzen."

Dabei hängt die Stabilisierung der Lage in diesem Seegebiet derzeit in hohem Maße von der Bereitschaft Ankaras ab, die Geschehnisse mit London oder Brüssel zu erörtern. Onufrijenko erklärt:

"Wir beobachten eine logische Eskalation in diesem Seegebiet, die durch die Absicht der westlichen Länder ausgelöst wird, Kiew weiterhin durch Seetransporte zu unterstützen.

Es ist klar, dass die Türkei durch vieles mit Großbritannien und Europa verbunden ist, unter anderem durch die Zusammenarbeit im Rahmen der NATO. Es ist durchaus möglich, dass Ankara aufgrund verschiedener Umstände derzeit einfach nicht in der Lage ist, dieses Gespräch aufzunehmen.

Natürlich ist Ankara für uns ein wichtiger Partner. Und Russland ist es nicht gewohnt, gegenüber anderen Druck auszuüben. Deshalb respektieren wir die Entscheidung der Türkei, keinen Konflikt – sei er auch nur diplomatischer Natur – mit eben diesem London einzugehen. Doch das Hauptproblem für den Transport über das Schwarze Meer liegt derzeit genau dort und in Kiew."

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 5. August 2026 zuerst auf der Website der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

Oleg Issaitschenko ist Analyst bei der Zeitung "Wsgljad".

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