"Russen töten" - Online-Petition fordert Entlassung von FAZ-Korrespondent Michael Martens

Der FAZ-Mitarbeiter Michael Martens erfuhr auf einer Pressekonferenz internationale Aufmerksamkeit, aufgrund seiner mutwillig provozierenden Frage an den ukrainischen Präsidenten Selenskij. Eine Online-Petition fordert nun die Entlassung, da ein Journalist, der öffentlich fragt, "wie man mehr Russen tötet", in keine Redaktion gehöre.

Michael Martens, FAZ-Korrespondent für südosteuropäische Länder in Wien, sorgte am vergangenen Samstag mit seiner bewusst formulierten, mehr als provozierenden Frage auf der gemeinsamen Pressekonferenz von Wladimir Selenskij und dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić für Irritationen und Empörung. Eine Online-Petition, mit mittlerweile rund 4.000 Unterstützern, fordert nun von der Chefredaktion der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) die Entlassung ihres Mitarbeiters.

Deutsche Mainstreammedien erkannten bis dato keinerlei Notwendigkeit, über die Frage von Martens zu berichten, der von Selenskij in Belgrad erfahren wollte, wie "wir Europäer" der Ukraine helfen könnten, "mehr Russen, mehr russische Soldaten zu töten", so der Wortlaut.

Der laut Medienartikel "AfD-nahe Influencer" Deniz Karabag, der mit einem aktuellen Soloprogramm aktuell auf Tour ist, initiierte eine Online-Petition mit seiner persönlichen Erklärung, warum er das Agieren des FAZ-Journalisten "für inakzeptabel" hält:

"Martens hat diese Frage nicht dementiert. Im Gegenteil: Auf der Plattform X hat er sie selbst bestätigt und anschließend ausdrücklich als notwendig und richtig verteidigt […] Für mich ist die Aufgabe eines Journalisten, kritisch, sachlich und ausgewogen zu berichten – Fragen zu stellen, nicht Kriegsziele zu formulieren. Wer als Vertreter eines großen deutschen Medienhauses öffentlich das Töten von Menschen einer bestimmten Nationalität zum wünschenswerten europäischen Ziel erklärt, überschreitet für mich jede Grenze journalistischer Neutralität. Das ist für mich keine Berichterstattung. Das ist Parteinahme in ihrer menschenverachtendsten Form."

Karabag fordere daher vom Martens-Arbeitgeber und der Chefredaktion, sich "klar von dieser Aussage zu distanzieren und personelle Konsequenzen zu ziehen".

Martens kündigte demgegenüber am Montag auf X in englischer Sprache an, dass die FAZ-Chefredaktion eine offizielle Stellungnahme "zu der Frage veröffentlichen wird", die er in Belgrad formuliert hätte. Er sei demnach "sehr zufrieden damit".

Darin war dann zu lesen:

"...Das bezog sich auf aktuelle Debatten von Verteidigungsexperten, die sich um die Frage drehen, wie die russische Armee in personelle Schwierigkeiten gebracht werden könnte, um Russland zu Friedensverhandlungen zu bringen.


Die Frage war allerdings missverständlich formuliert, was wir bedauern. Es ist nicht die redaktionelle Linie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten..."

Die Chefredaktion erklärt final am Ende der Stellungnahme, dass die FAZ auch weiterhin "das völkerrechtlich garantierte Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung unterstützt".

Medienzitate oder ausführlichere Kommentare zu der Martens-Frage finden sich bis zur Veröffentlichung dieses Artikels weder beim Spiegel, der Süddeutschen Zeitung, dem Tagesspiegel, der Taz noch bei der Tagesschau-Redaktion. RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan erklärte am Montag zu der verbalen Entgleisung des deutschen Journalisten:

"Der FAZ-Korrespondent Michael Martens verteidigt sich – verzweifelt – gegen eine Welle der Empörung im Internet, nachdem er Selenskij gefragt hatte, wie Europa ihm helfen könne, 'mehr Russen zu töten'. Er ist der Enkel eines hochrangigen Wehrmachtsoffiziers. Wir haben genau solchen Deutschen wie ihm gezeigt, was passiert, wenn sie versuchen, Russen zu töten. Schade, dass sein Großvater nicht mehr da ist, um ihn daran zu erinnern."

Schon am Sonntag kommentierte Martens auf X, dass "anscheinend russische 'Medien' (Putins Agenten) und andere seit gestern großes Interesse an meinem Großvater zeigen", um wiederum auf einen eigenen X-Beitrag aus dem Jahr 2024 zu verweisen. Dort schrieb Martens im Rahmen einer Polen-Reportage:

"Vor der Reise nach Breslau hatte ich beschlossen, mich an keinen politischen Diskussionen über Israel zu beteiligen, sollten solche aufkommen. Als Deutscher und Nachkomme eines Offiziers im Stab der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg hielt ich es für angebracht, zu schweigen."

Die BSW-Politikerin Sevim Dağdelen kommentierte auf X die Martens-Fragestellung und betonte, dass "Wehrmacht und SS ihr Kriegsziel kaum klarer formuliert hätten". Der seitens der EU lebenseinschränkend sanktionierte Berliner Journalist Hüseyin Dogru erklärte zum Ereignis, dass die "offene Befürwortung von Mord, getarnt als Journalismus", vor allem die gegenwärtige Realität widerspiegelt:

"So sieht es 2026 in den deutschen Medien aus."

Der Journalist und Blogger Alexander Wallasch erinnert auf X daran, dass Martens im Jahr 2011 ein Buch mit dem Titel "Heldensuche: Die Geschichte des Soldaten, der nicht töten wollte" veröffentlichte.

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